PABLO NARANJO
Schamanisches
Netzwerk

Handout (PDF)






Die Welt der neuen Technologien implodiert in einer abstrakten parallelen Welt, in der unser lineares Wahrnehmungssystem keine brauchbaren Werkzeuge mehr besitzt, um diesen Informationsfluss aufnehmen zu können. Jegliche Veranschaulichungsversuche scheitern, da wir die Komplexität nicht entschlüsseln können.
Auch das mysteriöse unförmige Produkt des binären Prozesses besitzt heilige Attribute wie die Allgegenwart und Allmächtigkeit. Damit wir einen Teil dieser Information abrufen können, muss sie sich von ihrer nicht greifbaren Einheit trennen. So bekommt diese Information physikalische Mittel, mit deren Hilfe sie sich manifestieren kann und sie findet ihre Gestalt in Form eines Speichermediums oder eines Servers über den Weg einer Internetverbindung, um sich für uns darstellen zu können. Diese Gestalt ist aber nicht ihre wahre Natur.

Ich lasse mich in meiner Arbeit auf einen Vergleich zwischen dem globalen,digitalen Netzwerk, dem Internet und dem Netzwerk der Schamanen ein.
Im schamanischen Netzwerk ist der Schamane an sich das Medium, das die Erfahrung verarbeitet und übermittelt. Er ist die physikalische Schnittstelle mit den notwendigen Sinnen, mit deren Hilfe er den ankommenden Informationsfluss wahrnehmen kann. Das lässt sich mit einem Computer oder PDA vergleichen. Er ist also so etwas wie ein Entschlüsselungssystem.
Als Verbindung zwischen der üblichen („tonal“) und der erweiterten („nagual“) Wahrnehmung verwendet der Schamane seine Medizin (Aguacolla-Trichocereus Kaktus) und diesen Weg kann man mit der Internetverbindung vergleichen.
Zu Beginn des Internetzeitalters übertrug ein Modem die Informationen durch akustische Kombinationen. Erst wenn die Verbindung vom Server bestätigt wird, sind entsprechende Informationen für bestimmte User zugänglich.

Im Schamanismus erzeugen die Lieder (Ikaros) der Schamanen eine Verbindung zwischen dem Benutzer und dem Geist, der mit dem Server zu vergleichen ist.
Dieser Geist ist der Ort, an dem eine bestimmte Gruppe von Schamanen ihre Informationen speichern kann bzw. gespeichert hat. Ein Ikaro wurde immer durch einen Meister oder durch Pflanzen weitergelehrt und dient hauptsächlich als Übertragungskanal oder Protokoll wie im Internet (z.B. http).
Eine Firewall hat die Aufgabe, Ports geöffnet oder geschlossen zu halten, also Negatives von Aussen abzuwehren und bildet einen Schutz gegen ungebetene Gäste, sich Informationen zu verschaffen. Ähnliches geschieht es in einer Zeremonie

Die Schamanen haben auch immer verschiedene Speichermedien verwendet. Einerseits befinden diese sich auf der Seite der erweiterten Wahrnehmung, andererseits befinden sie sich manifestiert unter uns in Form von verschiedenen Stein- oder Tonfiguren.
Der User hat bei den verschiedenen digitalen Speichermedien bzw. Servern ein bestimmtes Zugriffsrecht. Entweder „nur lesen“ oder „lesen und schreiben“, aber auch „lesen, schreiben und ausführen“. Ähnlich läuft es beim Schamanismus ab. Der Schamane ist in diesem Falle der Super-User oder Administrator und somit besitzt er auch alle Zugriffsrechte.
Der Besucher,der an einer Zeremonie teilnimmt ist eingeschränkt , da er sich nur als Gast einloggen kann und nur begrenzte Zeit Zugang hat.

Man könnte also sagen, die Schamanen haben vor tausenden von Jahren bereits ein globales Netzwerk aufgebaut.

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